Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

Im Blickpunkt

Gemeinschaft stärkt - neue Gruppe für Menschen mit Demenz

Renate Seher-Kahnt (re.), langjährige Mitarbeiterin im Besuchsdienst, wird auch für die Teilnehmer/innen der neuen Gruppe da sein. Foto: NbH

AUS DEN NACHBARSCHAFTSINFOS 4/2010

Gemeinschaft stärkt, auch Menschen mit Demenz oder ähnlichen Beeinträchtigungen. Eine Gruppe, die ganz speziell auf deren Bedürfnisse eingeht, wird nun gegründet. Einen Vormittag pro Woche werden Mitarbeiter und erfahrene Ehrenamtliche die Teilnehmer/innen dieser Gruppe betreuen. Das soll auch die Angehörigen der Demenzkranken entlasten.

Menschen mit Gedächtnisstörungen und demenziellen Beeinträchtigungen werden sich ab sofort dieser speziellen Gruppe im Nachbarschaftshaus Friedenau anschließen können. Jeden Dienstag sollen sich die Teilnehmer/innen zuerst zu einem gemeinsamen Frühstück treffen. Im Anschluss daran wollen Michael von Jan, Mitarbeiter des Nachbarschaftsheims, sowie ehrenamtliche Mitarbeiterinnen mit den Besuchern dieses neuen Treffpunkts dann singen, spielen und natürlich reden. Vier Ehrenamtliche gehören bereits zum festen Team für diese Vormittage, sie sind erfahren durch die Arbeit im Besuchsdienst. Sonst gehen sie regelmäßig zu älteren demenziell erkrankten Menschen nach Hause oder besuchen sie in einer der Wohngemeinschaften des Nachbarschaftsheims. Nun wollen sie die neue Gruppe mit aufbauen.

Das Team, das die Gruppe betreuen wird. Foto: NbH

„Für Erkrankte, die noch mobil sind, richten wir den Treffpunkt ein“, sagt Michael von Jan. „Gerade für sie ist es wichtig, auch einmal heraus zu kommen und ein paar Stunden in Gemeinschaft zu erleben.“ Der überwiegende Teil aller Menschen mit Demenz wird schließlich zu Hause von ihrem Partner oder einem Familienmitglied gepflegt, und in diesem meist für alle Beteiligten sehr anstrengenden Alltag hinter verschlossenen Türen gibt es oftmals wenig Chancen zur Abwechslung. Daher das Angebot. „Die Angehörigen entlasten wir dadurch natürlich auch, sie haben einmal etwas Zeit für sich“, erläutert Renate Seher-Kahnt, eine der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen dieser Initiative.

Singen wirkt entspannend

Im Terrassenzimmer des Nachbarschaftshauses wird das Frühstück dienstags um 9 Uhr beginnen, bis zu acht Frauen und Männer können dabei sein. Bis 12 Uhr 30 werde es dann eine Mischung aus Einzelbetreuung und Gruppenaktivitäten geben, sagt Michael von Jan. Der gelernte Altenpfleger arbeitet seit vielen Jahren vor allem mit demenziell erkrankten Menschen, mittlerweile koordiniert er im Nachbarschaftsheim den ehrenamtlichen Besuchsdienst und den Treffpunkt 50plus. Eine Mitarbeiterin wie Renate Seher-Kahnt könnte dann etwa Gespräche mit einzelnen Besuchern führen, und im Anschluß würden zum Beispiel alle gemeinsam singen. „Singen wirkt auf Menschen mit Demenz meistens ungeheuer entspannend, das beobachte ich immer wieder“, sagt die Ehrenamtliche. Außerdem könnten sie und ihre Kolleginnen auch kurze Spaziergänge unternehmen mit den Besuchern der Gruppe, das wirke ebenso beruhigend. Insgesamt ist sich die langjährige Ehrenamtliche schon jetzt sicher, „dass die Vormittage allen nur guttun werden“. Das sagt ihr die Erfahrung. Allein die Fahrt dürfte die Teilnehmer/innen begeistern, Ausflüge wirken sozusagen immer.

Pflegekasse übernimmt Kostenbeitrag

Ein Kleinbus des Nachbarschaftsheims kann die Besucher/innen zu Hause abholen. Pro Stunde wird die Teilnahme an der Gruppe dann 5 Euro kosten. Diese Kosten werden in der Regel von den Pflegekassen übernommen, bis zu 200 Euro im Monat stehen Versicherten für solche Zwecke zur Verfügung. Verpflichtend soll eine Teilnahme an der Gruppe jedoch nicht sein, niemand müsse jede Woche kommen, sagen die Organisatoren. Das Krankheitsbild ist eben oft von Tag zu Tag unterschiedlich, darauf müssen sich alle einstellen.

Vieles, was die Koordination und die Konzentration fördert, wollen die Gruppenbetreuer anbieten. Dazu können etwa Spiele zur Musik zählen, „Bewegung ist besonders wichtig“, sagt Michael von Jan. „Aber in Maßen“, fügt er hinzu. Schnell könne nämlich die Grenze zur Reizüberflutung überschritten werden, das sei ein verbreitetes Phänomen, wenn Menschen mit Demenz etwas geboten werden soll. Darauf wollen er und seine Mitstreiterinnen sehr genau achten. Und sie stützen sich dabei vor allem auf viele positive Erfahrungen aus dem Besuchsdienst. Als vorbildliche Vorgängermodelle für die jetzige Gruppe gelten außerdem zwei feste Termine in kleiner Runde, die in den Wohngemeinschaften für Demenzkranke entstanden sind. In der Steinmetzstraße zum Beispiel backt eine Ehrenamtliche jede Woche mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, in der Cheruskerstraße kommt eine freiwillige Mitarbeiterin immer zum Singen. Das Vertrauen bei den Erkrankten und deren Angehörigen ist da, Initiativen dieser Art gelten als viel versprechender Weg.

Ehrenamtliche geschult für ihre Einsätze

Die Ehrenamtlichen sind im Gegenzug auch speziell geschult im Umgang mit demenziell erkrankten Menschen, das ist eine langjährige Praxis im Nachbarschaftsheim. Wer sich für eine Tätigkeit dieser Art interessiert, fängt immer erst einmal mit einem Seminar an. Auch später folgen ständig vierteljährliche Teambesprechungen und Diskusssionen von möglicherweise problematischen Einzelfällen. Diese Supervision helfe allen, erläutert etwa Renate Seher-Kahnt. „Wir müsen auch erkennen, welche Grenzen wir haben und wo unseren Rahmen ist. Alles dürfen wir nicht an uns heranlassen.“ Aber die Erfolge überwiegen gleichwohl. „Ich habe schon so viele positive Fälle erlebt“, berichtet sie. „Leute zum Beispiel, die vorher gar keine Regung zeigten, singen dann auf einmal mit und freuen sich.“ Sie hat große Hoffnung in die neue Gruppe.

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