Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

Interview mit einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin

Gespräch mit Anne Kahlke

Seit Jahren engagiert sie sich im ehrenamtlichen Besuchsdienst, begleitete und half vielen Menschen, jetzt nimmt sie regelmäßig an der Frühstücksgruppe teil. Ich traf mich mit ihr, um zu erfahren, was sie zu diesem ungebrochenen Engagement ermutigt.

Was motiviert Sie, sich ehrenamtlich zu engagieren?

Als meine inzwischen verstorbene Mutter an Alzheimer erkrankte, war ich nicht darauf vorbereitet, das Thema war mir fremd und der Umgang damit machte mir Schwierigkeiten. Nachdem sie in ein gutes Pflegeheim gekommen war, lernte ich dort von den Pflegekräften viel über diese Krankheit und verstand besser damit umzugehen. Im Ruhestand wollte ich mich dann in diesem Bereich nützlich machen.

Wie lange engagieren Sie sich schon ehrenamtlich im Besuchsdienst?

Seit über 10 Jahren.

Warum haben Sie sich gerade für dieses Ehrenamt entschieden?

Als ich in den Ruhestand ging, habe ich mich erstmal für ein paar Jahre ausgeruht, nach einem 42 jährigen Berufsleben. Dann aber wollte ich wieder etwas tun. In der Friedenauer Stadtteilzeitung las ich dann einen Aufruf vom ehrenamtlichen Besuchsdienst hier im Haus, machte einige Fortbildungen und fing an mehrere Damen zu besuchen, um ihnen Unterstützung zu geben.

Nutzen Sie noch andere Angebote hier im Haus? Ja, ich nehme an der Englisch-Konversationsgruppe teil und bin in einer Tanzgruppe.

Was gefällt Ihnen an Ihrer ehrenamtlichen Arbeit am meisten?

Es macht mir Freude, anderen eine Freude zu machen. Ich mache mich gerne nützlich und finde es schön, helfen zu können. Gerne höre ich mir interessante Lebensgeschichten an und unterstütze in schwierigen Lebenssituationen. Dabei habe ich auch verschiedene Hobbies kennengelernt, z.B. unterschiedliche Kartenspiele. Schön ist es außerdem, wenn man gemeinsam lachen kann.

Haben Sie ein Lebensmotto?

Sich selbst nicht so wichtig nehmen und den Humor bewahren.

Was würden Sie gesamtgesellschaftlich ändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?

Man sollte mehr für die Bildung tun, für die Förderung von Kindern und für sozialschwache Familien. Es wäre wichtig, darüber zu reflektieren, warum die AfD einen solche Zustimmung findet. Allgemein sollte man mehr gemeinsam lernen und nachdenken.

Gibt es ein Buch, das Sie nachhaltig geprägt hat das sie anderen zur Lektüre empfehlen möchten?

Zur Zeit lese ich Navid Kermani, der Wichtiges über unsere Gegenwart zu sagen hat, wie ich finde, auch die Bücher von Amos Oz schätze ich.

Vielen Dank für dieses Gespräch.

Das Gespräch führte Irene Aselmeier

Interview mit einem pflegenden Angehörigen

Nicht nur gut für andere- sondern auch für sich sorgen

Pflegender Angehöriger zu werden, bringt eine einschneidende Lebensveränderung mit sich. Alles richtet sich zukünftig an dieser Aufgabe aus, die den vollen menschlichen Einsatz fordert. Außerdem muss die Beziehung zum anderen, die auf härteste Weise auf die Probe gestellt wird, den wechselseitigen Belastungen standhalten.

Wie hat sich Ihr Leben durch die Pflegebedürftigkeit Ihres Partners verändert?

Ich bin von Beruf Krankenpfleger, 31 Jahre habe ich allein in der Psychiatrie gearbeitet. Doch als mein Lebenspartner pflegebedürftig wurde, wir waren 46 Jahre zusammen, bin ich damit zunächst nicht fertig geworden. Ich wurde depressiv und wollte mir das Leben nehmen. Ich war überfordert und brauchte psychologische Betreuung. 2011 habe ich zufällig in einer Radiosendung vom Nachbarschaftsheim Schöneberg gehört, von der Unterstützung von pflegenden Angehörigen. Da bin ich hingegangen und habe Julia Giese kennengelernt, die den Bereich für pflegende Angehörige leitet. Ich habe das Angebot der Angehörigengruppe genutzt. Es hat mir geholfen, die Pflege meines Partners besser zu organisieren. Ich konnte für ihn da sein, habe mir aber immer einen Tag in der Woche freigenommen, an dem ich etwas für mich alleine unternommen habe. Ich bin auch regelmäßig alleine verreist. Anfangs hat mein Freund das nicht verstanden. Er war traurig. Doch später konnte er gut damit umgehen, hat gewusst, wie wichtig diese Erholungszeiten für mich waren, auch für ihn, damit ich genug Energie habe, um ihm gerecht zu werden.

Warum haben Sie sich für einen pflegenden Beruf entschieden?

Ein Bürojob kam für mich nie infrage. Zunächst habe ich Dreher gelernt, auf den Wunsch meines Vaters. Er hoffte auf ein sicheres Auskommen für mich, wenn ich in einem Unternehmen lerne, das mich dann übernimmt. Ich bin dann auch 4 Jahre bei Bahlsen geblieben, war aber nicht zufrieden und habe nach anderen Möglichkeiten gesucht. Meine Mutter hat das gespürt und herausgefunden, dass man ein diakonisches Jahr machen kann. Nach diesem Jahr war für mich klar, dass ich Krankenpfleger werden will und habe die Ausbildung gemacht, damals war es fast ein reiner Frauenberuf. In den 60er Jahren wurden erstmals Intensivstationen eingerichtet, für diesen Bereich interessierte ich mich. 1967 erfuhr ich, dass man in Berlin, im Klinikum Steglitz, der damals modernsten Klinik Deutschlands, eine Intensivstation aufbauen will. Ich habe mich dahin beworben, wurde angenommen und so bin ich nach Berlin gekommen. Ein paar Monate später habe ich meinen Lebenspartner getroffen.

Wie ging es dann beruflich bei Ihnen weiter?

Da ich Veränderungen mag, habe ich mich in den 70er Jahren für die gemeindenahe Psychiatrie interessiert, die zu der Zeit im Entstehen war. Ich kam nach Havelhöhe, wo man anfing die gemeindenahe Psychiatrie zu etablieren, wurde schließlich Stationsleiter. Das waren große Aufgaben, viel Arbeit. Die Trennung der Abteilungen von Männern und Frauen wurden aufgehoben, wir unternahmen Reisen mit sogenannten schwierigen Jugendlichen und Langzeitpatienten. Viele von ihnen konnten neue oder verschwunden geglaubte Fähigkeiten in sich entdecken. Wir richteten betreute Wohngemeinschaften in verschiedenen Bezirken ein, um den Menschen wieder ein selbstbestimmteres Leben zu ermöglichen.

Was machen Sie heute?

Nach dem Tod meines Freundes habe ich eine Trauergruppe besucht. 2001 war bei ihm ein Sarkom diagnostiziert worden, wir fingen an, uns für religiöse Fragen zu interessieren. Wir wohnten in der Nähe der Patmos- Gemeinde und gingen oft an der Kirche vorbei, als es meinem Freund noch besser ging. Eines Tages sagte er zu mir, lass uns doch mal reingehen. So lernten wir die evangelische Gemeinde dort kennen und engagierten uns da. Wir wunderten uns anfangs, dass wir dort akzeptiert wurden, obwohl wir so viel Kritik äußerten, an der Kirche, an der Gesellschaft. Doch man bat mich sogar, mich in den Gemeindekirchenrat wählen zu lassen, wo ich noch heute tätig bin. Ich bin noch immer offen für Veränderungen, suche den Dialog mit anderen und menschliche Nähe.

Gibt es ein Buch, das Sie nachhaltig geprägt hat und das Sie anderen zur Lektüre empfehlen möchten?

Da ist das Nachkriegsdrama "Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert, das mich geprägt hat und der Roman "Der Vater" von Jochen Klepper, außerdem die Schriften zur Kritischen Theologie von Eugen Drewermann und die Bücher von Heiner Geißler, die ich wichtig finde. Sehr gerne lese ich auch die Zeitschrift Publikforum.

Was würden Sie gesamtgesellschaftlich ändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?

Man müsste ausführlich darüber sprechen, dass der Sozialismus eigentlich eine schöne Sache wäre, wenn man es richtig macht und man ihn wiedererwecken könnte.

Haben Sie ein Lebensmotto?

Sei ehrlich zu dir selbst 

und 

Du darfst Menschen auch dann glücklich machen, wenn sie selber nicht darum bitten.

Ich danke Ihnen für das Gespräch, Herr Schilowski

Das Interview führte Irene Aselmeier

Selbstporträt

Fremdheit im Vertrauten

Ein starkes Gefühl von Ohnmacht. Das deutliche Gefühl: Karin, es geht Dir verdammt schlecht. Ich will Hilfe und keiner findet mich. Warum findet mich denn bloß keiner? Ich will gefunden werden! - Ich muss wohl eingeschlafen sein, denn ich bin an einem schönen Strand und das Meer rauscht. Endlich! Man hat mich gefunden! Sieben Ärzte vor meinem Bett. Gott sei Dank! Das tut so gut! Ich kann dieses wohlige Gefühl nicht in Worte fassen. - Eine Schwester sagt: "Da ist sie ja wieder und sie lächelt sogar." Ich denke: "Die ist aber nett", und schlafe wieder ein. Dass ich 3 Monate im Koma war, dass erfuhr ich erst viel später. Wie schön! Ein Streicheln weckt mich - morgendliches Waschen. Ja, man hat mich gefunden! - So einiges ist jetzt anders - mit mir, nicht mit den Anderen. Vieles fühlt sich neu an. Ein Unwirklichkeits- und Fremdheitsgefühl beschleicht mich. Neu und fremd für mich ist, dass ich nun im Rollstuhl sitze, statt zur Arbeit zu gehen oder Tanzturniere in High Heels und schicken Glitzerkleidern zu tanzen. Vieles muss wegfallen, weil es behinderungsbedingt nun nicht mehr möglich ist. Spontane Treffen von jetzt auf gleich unmöglich und ich liebe Livekonzerte in Kiezkneipen. Ich bekomme einen Schwerbehindertenausweis zugeschickt. Was bedeuten die Zeichen darin? Eines bedeutet T wie Telebus = Sonderfahrdienst. Wie kann ich den nutzen? Und B - ich habe einen Anspruch auf eine Begleitperson. Woher nehme ich diese? - Brauche Fahrdienst, der mir Treppenhilfe gibt. Und dann sind ja da auch Ängste, die ich bisher nicht kannte. Nicht nur die Angst zu fallen. Bin ich noch der Gesellschaft zugehörig? Bin ich so noch liebenswert? Was muss ich tun in dieser Situation, um wieder ein Dabei-Sein-Können zu ermöglichen? Zum Glück bin ich ein Organisationstalent. Wenn ich vergesse dem Lieferservice zu sagen, dass ich Brot brauche, dann habe ich keines. Alles muss bis ins Detail durchdacht und notiert werden. Mir Gäste einzuladen, um Kontakte zu halten, fehlt mir (noch) die Kraft, denn Kochen strengt mich einfach noch zu sehr an. Wie behalte ich den Anschluss? Fremdheitsgefühl unter Freunden? Empfinde ich so? Was geht da in mir vor? Alles, was nicht vertraut ist, ist fremd. Bin ich jetzt andersartig? - Anders für meine Freunde, obwohl ich - bis auf das Nicht-gehen-können, doch die Alte bin? Wie wirkt sich in allen Bereichen meine Veränderung aus? - Der Grad meiner Zugehörigkeit ist jetzt wohl ein anderer geworden. Ich muss jetzt kämpfen, um jeden Zentimeter und nicht nur beim Laufen, sondern für ein neues Ziel in meinem Leben.

Mit Erstaunen registriere ich, dass Menschen, die ich neu kennenlerne, mir gegenüber anders sind, als die, die ich schon lange kenne. Viele - ja die meisten sogar - haben sich von mir zurückgezogen und pflegen den Kontakt nicht. Sie haben so viel zu tun. Ich bin entschleunigt und habe plötzlich Zeit. Zeit, die es gut einzusetzen gilt, um das Leben neu zu definieren. Ich merke, dass ich mir wohl zum Großteil besser einen völlig neuen Bekanntenkreis zulege. Wer mich so kennenlernt, wie ich jetzt bin, passt auch besser in mein Zeitfenster, meine Bedürfnisse, meine neue Sicht auf viele Dinge. Freunde von früher bringen mir zum Teil - was eigentlich? - Ist es Mitleid oder wissen Sie mit mir nichts mehr anzufangen? Ich galt als Powerfrau und nun? - Alles ist geblieben, wie es war, nur ich bin jetzt anders - verändert - eingeschränkt - ängstlicher vielleicht - behindert - fremd evtl., für alte Freunde? Wie finde ich mich eigentlich jetzt selbst so anders? - Vielleicht sollte ich mal eine Art Rollstuhlmode erfinden. Warum eigentlich nicht Seidenkostüm und High Heels im Rollstuhl? Rollstuhl bedeutet ja auch, nicht auf den Schuhen laufen zu müssen. - Als wenn ich keine anderen Sorgen hätte! - Oh, hoffentlich komme ich nicht vom 100sten ins tausendste. Ich muss mir erst mal klar werden, dass ich auf dem Arbeitsmarkt trotz super Zeugnissen keinen Wert mehr habe. Ich muss raus aus dem vertrauten Haus, in dem ich seit 35 Jahren wohne! Ich muss umziehen in eine Wohnung mit Fahrstuhl. Den elektrischen Rollstuhl trägt mir keiner runter. Es wird grundsätzlich abgelehnt, weil der so schwer ist. Der Kampf gegen Vereinsamung beginnt. Wie organisiere ich einen Umzug als Behinderte? Wer gibt mir einen Rat? Wer überhaupt kann mir einen Rat geben? Welche finanziellen Möglichkeiten habe ich als nun ewig Arbeitslose noch? Ich verbringe Nächte vor dem Internet. Mich entsetzt, dass Pflegekräfte und Krankengymnasten keine Ahnung haben, obwohl nach meiner Meinung solche Informationen zur Berufsausbildung gehören sollten. Das übliche oberflächliche Desinteresse - auch am Job und den Menschen, die die Dienstleistung dafür in Anspruch nehmen müssen?

Ich kann endlich wieder in die Bücherei gehen. Dort finde ich Info-Broschüren gleich am Eingang, für Menschen mit Handicap. Super! Da steht sogar viel drin, was man gebrauchen kann. Es beginnen endlose Warteschleifen am Telefon. Mir wird bewusst, dass ein viel jüngerer Betroffener, der noch nicht viel Lebenserfahrung hat oder aber auch ein viel älterer Mensch, sich eher abfertigen lassen und schon am Telefon scheitern würde. Ein älterer Mensch ohne Internet würde aufgeben. Ich nehme mir vor, später helfen zu wollen. Es gilt zu erkennen: Suche neue Möglichkeiten, dann gewinnen die Defizite nicht die Oberhand. Überlegen, was kann ich, was kann ich nicht mehr oder noch nicht wieder. Was ich reichlich habe, ist Zeit.

Ich lebe allein und ein bisschen Wärme, das wünsche ich mir. Vielleicht kann ich die mal anderen "Arzt-Fehler-Opfern" geben. Von meiner Krankengymnastin, von den Helfern des Johanniter Mobilitätshilfedienstes bekomme ich Anerkennung für meine Mühen. Muss klar denken, was anderes hilft nicht - bringt mich nicht weiter. Wenn ich etwas vergesse, dann habe ich den Schaden. Alles kostet dann wieder noch mehr. Geld - Not - Sorge. Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not. Eine Freundin fühlt sich völlig gestresst, weil sie erst zum Golf und dann zur Kosmetik muss. Diese Sorgen möchte ich haben. OK, ich will in Pumps Rollstuhl fahren, was ja auch etwas gaga ist. Aber sich hübsch machen, zeigt Interesse an sich selbst. Ist doch wichtiger, als ich dachte.

Ich muss das jetzt aushalten und versuchen meine Identität zu bewahren, wo es geht und wo es nicht geht, eine neue zu schaffen. Ich bin jetzt auf einem guten Weg. Durch den Umzug in ein Haus mit Fahrstuhl habe ich viel Mobilität wieder gewonnen. Autofahren kann ich auch wieder. Ich finde neue Kontakte, die mich inspirieren, denn sonst hätte ich diesen Text nie geschrieben.

Karin Drews

Neues aus dem Ehrenamt

Man muss den Menschen Mut machen

Im Besuchsdienst engagieren sich viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer oft schon über lange Jahre mit unermüdlichem Einsatz. Wir möchten Ihnen immer wieder einen von diesen unverzichtbaren Menschen vorstellen. Diesmal ist es Monika Kowall. Ich habe mich mit ihr in der Küche des Nachbarschaftscafés getroffen, wo sie gerade dabei war für das Tanzcafé einen ihrer schmackhaften Obstkuchen zu backen.

Was motiviert Sie ehrenamtlich zu arbeiten?
Ich möchte nicht zu Hause herumsitzen, man muss doch eine Aufgabe haben und ich war immer aktiv. Auch arbeite ich gern mit älteren Menschen, denn ich bin ja gelernte Altenpflegerin.

Wie lange engagieren Sie sich schon ehrenamtlich im Besuchsdienst?
Seit fast 2 Jahren.

Warum haben Sie sich gerade für dieses Ehrenamt entschieden?
Ich habe schon immer in der Pflege gearbeitet und es macht mir Freude, Menschen zu helfen. Jetzt unterstütze ich regelmäßig drei ältere Damen dabei, in ihrem häuslichen Umfeld zurechtzukommen und sich nicht alleine zu fühlen. Man muss einfach normal mit älteren Menschen umgehen, auch wenn sie dement sind, man darf sie nicht wie kleine Kinder behandeln. Man muss Interesse an ihnen zeigen und sie so behandeln, wie man auch selbst gerne behandelt werden würde, wenn man in dieser Lebenssituation wäre.

Wie sind Sie auf das Nachbarschaftsheim Schöneberg aufmerksam geworden?
Ich habe online nach Möglichkeiten gesucht, ehrenamtlich tätig zu werden und bin gleich auf das Nachbarschaftsheim Schöneberg gestoßen.

Nutzen Sie noch andere Angebote des Hauses?
Dazu fehlt mir leider die Zeit, aber ich backe regelmäßig Obst - und Käsekuchen für das Tanzcafé hier im Haus.
 
Was gefällt Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten?
Menschen zu helfen und gebraucht zu werden. Es ist wichtig Menschen zu unterstützen, ihnen Hilfe anzubieten, wenn sie alleine nicht mehr so gut zurechtkommen.

Gibt es etwas an Ihrer Arbeit, das nicht so gut läuft und das Sie verbessern möchten?
Da fällt mir nichts ein. Ich bin zufrieden mit meinen Aufgaben und alles läuft ohne Probleme.

Arbeiten Sie lieber allein  oder im Team?
Beides mache ich gern. Beim Kuchenbacken würde ich mir manchmal noch eine zweite Person zur Gesellschaft wünschen. Dann kann man sich unterhalten, während man darauf wartet, dass der Kuchen fertig wird.

Engagieren Sie sich noch anderswo?
Meine jetzigen Aufgaben füllen mich ganz aus. Ich habe auch gern etwas Zeit für mich.

Haben Sie ein Lebensmotto?
"Augen zu und durch", das hat mir schon oft weitergeholfen. Man muss alles ausprobieren, um zu wissen, ob es funktioniert. Mein Sohn hatte Sorgen, ob er sein Abitur schafft und später sein Studium, er hatte Angst vor Prüfungssituationen. Ich habe immer zu ihm gesagt: "Patrick, du schaffst das." Ich habe ihn immer motiviert. Es hat ihm geholfen und heute läuft alles bestens für ihn. Man muss den Menschen Mut machen.

Was würden Sie gesamtgesellschaftlich ändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?
Die Politiker sollten sich mehr um das Volk kümmern und nicht nur um sich selbst, denn ohne Volk gibt es keine Politiker. Und dann muss alles getan werden, um Kriege zu verhindern, das ist das allerwichtigste  Ziel.

Gibt es ein Buch, das Sie nachhaltig geprägt hat und das Sie anderen zur Lektüre empfehlen möchten?
Früher habe ich viel gelesen. Besonders ist mir "Anna Karenina" von Leo Tolstoi im Gedächtnis geblieben. Die Schilderung des  Schicksals dieser Frau hat mich sehr bewegt.

Das Gespräch führte Irene Aselmeier

Im Porträt

Menschen im Nachbarschaftsheim: Andrea Schlaeger

AUS DEN NACHBARSCHAFTSINFOS 09/09

Trotz einer eigenen Behinderung kümmert sich Andrea Schlaeger viel um andere Menschen. So besucht sie etwa zwei Mal pro Woche eine 92jährige Frau in Steglitz, und bis vor kurzem begleitete sie auch eine an Demenz erkrankte Dame, bis diese mit 106 Jahren zu Hause in ihrer Wohnung starb. Diese Hilfe bedeutet ihr einiges und lässt sie sogar eigene Schmerzen vergessen, wie die 41 Jahre alte Andrea Schlaeger sagt.

Andrea Schlaeger. Foto: Nachbarschaftsheim Schöneberg.

Sie lobt das Prinzip vom „Geben und Nehmen“. „Ich schenke der alten Frau mit meinen regelmäßigen, verlässlichen Besuchen und meiner Aufmerksamkeit viel Vertrauen, sie dankt es mir sehr. Wir verstehen uns gut“, sagt Andrea Schlaeger. „Und das ist eine große Bestätigung für mich.“ Über den ehrenamtlichen Besuchsdienst des Nachbarschaftsheims wurde sie im Jahr 2005 dorthin vermittelt. Damals wohnte sie gleich nebenan in Friedenau und war einem Aushang, der Ehrenamtliche suchte, gefolgt. Im Nachbarschaftsheim hat sie dann auch mehrere Schulungen zum Umgang und zur Alltagsbegleitung von Menschen mit Demenz erhalten. An den zwei Nachmittagen, an denen sie nun immer bei der 92jährigen Steglitzerin angemeldet ist, da würde bei jener „die Uhr danach gestellt“, erzählt die Ehrenamtliche weiter. „So wichtig sind ihr meine Besuche.“ Im Moment könne sie besonders dazu beitragen, eine Ängstlichkeit bei der alten Frau abzubauen. Ängste und depressive Verstimmungen treten bei hilfebedürftigen und gerade auch bei demenziell Erkrankten oft auf. „Zuhören und einander vertraut zu sein bietet in solchen Fällen die größte Sicherheit“, weiß Andrea Schlaeger.

Sie selbst leidet an einer Nervenkrankheit, die sie oftmals ebenfalls stark beeinträchtigt, durch Schmerzen und Bewegungsstörungen. In ihrem ursprünglichen Beruf als Erzieherin kann sie nicht mehr arbeiten. Eine Ausbildung zur psychologischen Beraterin hat sie bereits gemacht, nun schließt sie noch ein Fernstudium im Sozialmanagement an. „Ich habe gelernt, mit meiner Behinderung offen umzugehen“, sagt Andrea Schlaeger. „Das hilft dabei, das Eis zu brechen.“ Besonders habe es beispielsweise dazu beigetragen, als junge Besucherin von den hochbetagten Frauen angenommen zu werden, erzählt die Ehrenamtliche. „Bei der 106 Jahre alten Frau war ich eine von zwei Menschen, bei denen sie nicht ängstlich war und die sie zuletzt überhaupt noch an sich heran lassen wollte.“

Das habe sie zutiefst berührt – und schließlich nur darin bestärkt, ihre ehrenamtliche Tätigkeit auch fortzusetzen. „Für mein eigenes Fortkommen in der sozialen Arbeit ist die Tätigkeit außerdem ebenso hilfreich“, sagt sie. Schließlich fühlt sie sich dabei gut betreut und beraten. In einer Supervisionsrunde ging es etwa um das Thema Abschied, das war zufällig kurz nachdem ihre 106jährige Betreute gestorben war. „Andere Ehrenamtliche hatten ähnliches erlebt“, sagt Andrea Schlaeger, „das tat wirklich gut, sich austauschen zu können.“

 [Autor: J. Niendorf]

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